Streit über Universitäts-Präsidentin

Hamburger Studierende werfen Kandidatin Auweter-Kurtz "Geschäfte mit Rüstungsfirmen" vor

Die Kandidatur der Stuttgarter Raumfahrtforscherin Monika Auweter-Kurtz als Präsidentin der Hamburger Universität sorgt im Akademischen Senat für Unruhe. Studierende kritisieren sie dafür, "Rüstungskonzernen den Hof" gemacht zu haben.

Hamburg - Monika Auweter-Kurtz soll Nachfolgerin des seit 1991 amtierenden Hamburger Universitätspräsidenten Jürgen Lüthje werden. Er geht Ende September in den Ruhestand. Bela Rogalla, Studentenvertreter im Akademischen Senat, bezichtigte die derzeitige Favoritin aber, sie betreibe "Geschäfte mit Rüstungskonzernen".

Die Stuttgarter Raumfahrtforscherin ist derzeit stellvertretende Leiterin des Instituts für Raumfahrtsysteme der Universität Stuttgart und nebenberuflich Leiterin des Steinbeis-Transferzentrums Plasma- und Raumfahrttechnologie, ebenfalls in Stuttgart. In dieser Tätigkeit arbeitete Auweter-Kurtz auch für den Rüstungskonzern Bayern-Chemie Protac, der unter anderem Raketenmotoren für britische Alarm-Misssiles und auch für Bodenraketen herstellt.

Rogalla wirft Auweter-Kurtz vor, sie habe für Bayern-Chemie Protac neues Material für die Brennkammern von Raketen getestet. Diesen Zusammenhang bestritt Auweter-Kurtz im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Sie habe in der Zusammenarbeit mit dem bayrischen Unternehmen in einem größeren Projekt Grundlagenforschung für Brennkammern betrieben, die "nicht für bestimmte Dinge", sondern für alles Mögliche eingesetzt werden könne.

Der finanzielle Beitrag von Bayern-Chemie Protac sei "kein sechsstelliger" gewesen, so Auweter-Kurtz weiter. Sie sei der Ansicht, dass "wir die Bundeswehr brauchen, um unsere und die Werte unserer Freunde zu verteidigen". Daher sei es auch richtig, den Soldatinnen und Soldaten geeignete Waffen zur Verfügung zu stellen.

Unmut auch bei Professoren

Die Universität Hamburg habe eine Präsidentin verdient, die sich entsprechend dem Leitbild der Universität für eine friedliche und menschenwürdige Welt einsetze, sagte hingegen Rogalla. Und nicht eine "Raketenforscherin, die Rüstungskonzernen den Hof macht", so das Mitglied des Akademischen Senats weiter.

Aus den Reihen der Professoren des Akademischen Senates, der die Wahl der neuen Universitätspräsidentin bestätigen muss, wollte niemand Stellung beziehen. Unter der Hand gab es aber Unmutsäußerungen. Peter Becker, Präsident der deutschen Sektion von Juristen gegen den Atomkrieg (IALANA) bezeichnete die Kandidatur von Auweter-Kurtz als "Unding". Eine Professorin, die in der Rüstungsforschung tätig sei, könne nicht die Unabhängigkeit gewährleisten, die an der Hamburger Universität mit ihrem renommierten Institut für Friedens- und Konfliktforschung nötig sei, sagte Becker.

Auweter-Kurtz war dem Findungsgremium der Universität von einer Headhunteragentur vorgeschlagen worden, nachdem die Bewerbungen auf die öffentliche Ausschreibung als "indiskutabel" befunden worden waren. Sie ist Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und gilt als Streiterin für die Gleichberechtigung von Frauen in der Wissenschaft.Jörn Breiholz

28.06.2006, Frankfurter Rundschau, http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=915669&